Übergriffe der kolumbianischen Armee gegen Awá

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Vor anderthalb Wochen berichtete Earthlink, dass erneut Awá-Familien ihre Heimat verlassen mußten, um den Auseinandersetzungen der kolumbianischer Armee und Rebellengruppierungen zu entfliehen.1 Weder Armee noch Rebellen zeigten in der Vergangenheit Rücksicht auf die Ansiedlungen der Indianer und machten diese immer wieder zu unfreiwilligen Teilnehmern in dem seit Jahrzehnten andauernden Bürgerkrieg.

Nun sehen sich die Awá-Indianer auch noch mit verbalen Übergriffen und sexueller Belästigung seitens der kolumbianischen Armee konfrontiert. Die Regierungstruppen unterhalten teilweise Stützpunkte, die sich in wenigen Hundert Metern Entfernung zu den Awá-Ansiedlungen befinden. Vor allem Awá-Frauen müssen sich auf ihren täglichen Fußwegen die Obszönitäten und Erniedrigungen der Soldaten gefallen lassen. Dies stellt nicht nur eine Verletzung der Hoheitsrechte der Awá-Indianer dar, sondern auch eine massive Bedrohung für deren psychische Gesundheit, häufig werden kleine Kinder zu Zeugen dieser Beschimpfungen.

In den vergangenen Jahren war es der kolumbianischen Armee immer mehr gelungen, die FARC und andere Rebellengruppierungen in Randgebiete und den kolumbianischen Dschungel zu drängen – und damit auch in die Nähe der Schutzgebiete der Indianer. Die Tatsache, dass nun zunehmend von Übergriffen der Armee auf die indigene Bevölkerung des Landes berichtet wird, ist besorgniserregend.2

Der Kampf der kolumbianischen Ureinwohner für politische Anerkennung dauert nun schon mehrere Jahrhunderte an. Die Zuweisung der sogenannten Resguardos auf die einzelnen indigenen Bevölkerungsgruppen geht auf die spanische Kolonialzeit zurück und hat – mit kleinen Veränderungen –  noch heute Bestand. Damals wurde den Indianern Land gegeben, das sie benutzen, jedoch nicht verkaufen durften. Als der Landdruck im Laufe der Jahre in Kolumbien zunahm, mussten die Einheimischen hinnehmen, dass ihre Resguardos mehr und mehr von Weissen und Mestizen beansprucht wurden. Die Regierung tolerierte dieses Vorgehen. 

Die Verfassung von 1991 bedeutete einen großen Sieg im Kampf für die Rechte der Indianer. Kolumbien wurde offiziell als pluralistischer und multikultureller Staat anerkannt und zahlreiche Resguardos neu gegründet oder rekonstitutiert. Dennoch bleibt das Verhältnis zwischen einheimischer Bevölkerung und Regierung problematisch. Schlüsselpunkt bleibt hierbei die Forderung nach Autonomie seitens der Indianer. Die Regierung möchte die Eingeborenen in die kolumbianische Gesellschaft integriert sehen und sieht diese lediglich als “Gemeinschaften”3

Im Zentrum des Strebens der Indianer nach mehr Autonomie stehen seit mehr als zwei Jahrhunderten deren Territorien, sie repräsentieren Geschichte und Identität.4 An den Vorfällen der vergangenen Jahre und Monate kann man erkennen, dass die Schutzgebiete – obwohl offiziell anerkannt – noch meilenweit von einer landesweiten Respektierung entfernt sind. 

 

 


Fußnoten:
  1. Auseinandersetzungen zwischen Rebellen und Regierung zwingen Awá zur Umsiedlung []
  2. New Internationalist: Indigenous Colombians demand an end to violence []
  3. Wikipedia: Indigenous Peoples in Colombia []
  4. Paterson Review of International Affairs: Indigenous People´Struggles for Autonomy []

Über christian / EarthLink

Projektmitarbeiter, zuständig für die Entwicklung und Durchführung von Projekten bzw. Kampagnen, Fundraising, Einarbeitung und Betreuung von Praktikanten und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Aktuelle Projekte: Aktiv gegen Kinderarbeit, Drogen und Entwicklung, Facing Finance
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