Marrakesch: Lösungsansätze gegen den Klimawandel werden gesucht, dem Kohleausstieg wird keine Beachtung geschenkt

Demo gegen Braunkohle

Bild: © campact [CC BY-NC 2.0] - flickr

Noch bis Freitag findet die Klimakonferenz in Marrakesch in Marokko statt. Politiker und Wissenschaftler versuchen einen Weg zur Umsetzung der Klimaschutzziele des Pariser Abkommens zu finden. Diese müssen bis 2018 formuliert sein. Dabei liegt der Sieg Trumps schwer über den Debatten, da er sich strikt gegen Klimagipfel aussprach. Und ohne die USA wird das Ziel, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen, schwierig werden. Die Einbringung Chinas ist deswegen äußerst wichtig, es zeigt sich aber bemüht, ab 2020 die Treibhausgas-Emission zu begrenzen. Allgemein ist der Wille durchaus vorhanden, allerdings stehen der Umsetzung viele Fragen im Weg. Wer macht was? Wer zahlt Geld für die Schäden des Klimawandels? Wer unterstützt die armen Länder, die unter den Folgen der Erderwärmung leiden?1

Die Weltorganisation für Meteorologie zeigte die Dringlichkeit der Umsetzung des Pariser Abkommens. 2016 war weltweit das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Durchschnittstemperatur ist 1,2 Grad höher als vor dem Industriezeitalter. Daraus ergeben sich mehr Wetterextreme und wirtschaftliche Einbußen. Das Eis der Arktis schmilzt, Korallen werden absterben und Ozeane verwüstet werden. Das Ziel liegt darin, die Erwärmung in diesem Jahrhundert unter zwei, möglichst auch unter 1,5 Grad zu halten.2 Denn im Zuge des Klimawandels sind Milliarden Menschen in ihrer Existenz bedroht. Auch fehlender Zugang zu Wasser war ein zentrales Thema des Gipfels. Diese Ressource ist durch den Klimawandel stark betroffen. Es ist das wichtigste Gut für die Lebensmittelsicherheit, die Gesundheit, die Biodiversität und auch die Industrie. Denn insgesamt 780 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu Wasser, Hygiene oder Toiletten. Wenn der Klimawandel nicht gestoppt wird, verschlimmert sich die Lage immer weiter, auf Kosten vor allem der Industrienationen.3

Die Intention des Gipfels liegt definitiv im Finden neuer Strategien für die Umsetzung des Klimaschutzplans. Einige NGOs vergaben im Laufe der Woche den Preis für den schlimmsten Klimasünder. Dieser geht nicht an China oder die USA, sondern an Deutschland! Denn wir konnten keinen ordentlichen Plan zum Klimaschutz vorlegen.1 Nach der Hälfte des Gipfels, konnte Umweltministerin Barbara Hendricks dann schließlich doch einen Plan vorlegen. Es müssen vor allem Entwicklungsländer in den Umsetzungen unterstützt werden. Dafür wurde auf dem Gipfel eine globale Klima-Partnerschaft gegründet. Im Jahr 2015 gingen 2,7 Milliarden Euro des bundesweiten Haushalts in die Klimafinanzierung, dieser soll fortan in die Partnerschaft laufen. Es sollen Solarkraftwerke gebaut werden und durch Schutz des Waldes- und der Arten in Kolumbien, bis hin zu Küstenschutzmaßnahmen in Vietnam soll die Emissionsminderung erreicht werden.4  Verhandelt wird auch über das 100-Milliarden-Euro Budget, welches die reichen Nationen jährlich zum Klimaschutz zur Verfügung stellen wollen.5

Warum hat nun ausgerechnet Deutschland den Preis des „Fossil of the day“ bekommen? Deutschland ist immer noch der weltweit größte Braunkohleproduzent und weiterhin Exporteur von Millionen Autos, welche mit fossilen Rohstoffen betankt werden. Weiterer Plan Hendricks ist es, bis 2050 die Dekarbonisierung zu erreichen: Es soll der CO2 Ausstoß minimiert oder kompensiert werden. Damit soll die Klimaneutralität erreicht werden, die Emission darf das Klima nicht mehr beeinflussen. DIE LINKE, die Grünen und viele Organisationen kritisieren den Klimaschutzplan Deutschlands scharf, da das Konzept zu einem Kohleschutzplan werden könnte. Denn die Abschaltung der Kohlekraftwerke wird überhaupt nicht erwähnt im Plan. Effiziente Kraftwerke sollen weiterhin im Einsatz bleiben. Aber der Kohleausstieg wäre eine äußerst sinnvolle Lösung, um die ambitionierten Ziele des Konzepts zu erreichen. Bis 2030 soll der Energiesektor im Vergleich zu 1990 die Emission um ungefähr 62 Prozent senken. Bisher sind lediglich 23 Prozent erreicht.6

Die SZ schreibt: Die Ziele seien unrealistisch, denn der Plan ist in zu vielen Konjunktiven formuliert. Die unschöne Wahrheit ist, dass die Kohlekraftwerke weg müssen und es keine Verbrennungsmotoren mehr geben soll. Diese Konsequenz wird aber im Konzept nicht erwähnt.7 Der Klimaschutzplan kann sich dennoch als Fortschritt sehen lassen. Aber nur mit einer grundlegenden Umstellung unserer Produktions- und Lebensweise können die Ziele erreicht werden.8

  1. tagesschau: Trump; Der Schatten über dem Gipfel; Klimatreffen in Marrakesch; Artikel vom 12.11.2016 [] []
  2. tagesschau: Trump; Der Schatten über dem Gipfel; Klimatreffen in Marrakesch; Artikel vom 12.11.2016 []
  3. euronews: Klimakonferenz in Marrakesch; Es geht ums Wasser; Artikel vom 14.11.2016 []
  4. epo: Globale Partnerschaft zur Umsetzung des Pariser Abkommens gegründet; Klimagipfel; Artikel vom 15.11.2016 []
  5. Spiegel: Was der Klimagipfel bringt – und was nicht; UNO-Konferenz in Marrakesch; Artikel vom 07.11.2016 []
  6. Rosa Luxemburg Stiftung: Vom Pariser Agreement zum Klimaschutzplan 2050 – Vermeidungsstrategien in der Klimapoltitk (Kicking the can down the road); Artikel vom 14.11.2016 []
  7. SZ: Große Prosa; Die Koalition einigt sich darauf, was geschehen „sollte“; Klimaschutzplan; Artikel vom 11.11.2016 []
  8. Rosa Luxemburg Stiftung: Vom Pariser Agreement zum Klimaschutzplan 2050 – Vermeidungsstrategien in der Klimapoltik (Kicking the can down the road); Artikel vom 14.11.2016 []

Über Lorina / earthlink

Ich habe letztes Jahr mein Abi gemacht und interessiere mich für internationale Zusammenhänge und soziales Engagement. Ich möchte in verschiedene Berufe Einblick erhalten und deswegen freue ich mich EarthLink das nächste halbe Jahr als Bundesfreiwillige unterstützen zu können!

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