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Titel: Der Traum vom Leben
Eine afrikanische Odyssee
304 Seiten - S. Fischer Verlag, Frankfurt.
ISBN: ,
Autor: Klaus Brinkbäumer
Preis: EUR 18,90
(lt. amazon.de, Stand 11/06)
Buchbesprechung:

"Odyssee nach Schengenland" (DIE ZEIT 03/2004), "Flüchtlingswelle per Schlauchboot nach Europa" (Süddeutsche Zeitung 31.07.2004), "Südliche EU-Länder schlagen Alarm" (taz 26.7.2006), so oder ähnlich lauten die Schlagzeilen über die westafrikanischen Migranten auf ihrem Weg nach Europa. Von der "Festung Europa" wird gesprochen, die mit Mauern und Zäunen versucht, die illegalen Einwanderer zu stoppen. Doch wie die taz am 7.10.2006 titelte so scheint es zu sein "Nichts kann Afrikas Migranten aufhalten".

Doch was steckt hinter all diesen Schlagzeilen? Warum entscheiden sich immer mehr Afrikaner für einen Aufbruch nach Europa? Welche Erwartungen und Hoffnungen bringen sie mit? Welche Hürden und Hindernisse müssen sie auf ihrer Reise überwinden? Wie werden sie in Europa empfangen? Und wie geht es dann weiter?

Diesen Fragen versucht Klaus Brinkbäumer in seinem Buch "Der Traum vom Leben" nachzugehen. Der "Spiegel"-Reporter begibt sich dazu auf die Reise mit dem Ghanaer John Ampan und versucht mit ihm gemeinsam seine Einwanderung nach Europa vor 14 Jahren zu rekonstruieren. Dabei begegnen sie zahlreichen anderen Menschen, die ebenfalls auf dem Weg nach Europa sind. In kurzen Einschüben lässt der Autor auch sie ihre Geschichte erzählen, wodurch dem Leser ein breites Spektrum verschiedener Erfahrungen, Motivationen, Ziele und oft auch Enttäuschungen westafrikanischer Migranten eröffnet wird. Sie berichten von Schleuserbanden, missglückten Überfahrten, der ständigen Sorge um Geld, von ihrer Heimat, ihrem Aufbruch, Hoffnungen und Ängsten. Längst nicht alle schaffen es bis nach Europa, viele bleiben irgendwo hängen - in Marokko, Algerien oder Niger - weil ihnen das Geld oder die Kraft zur Weiterreise fehlt. Ein Zurück gibt es für die meisten nicht, zu groß sind die Erwartungen, die ihre Familien in sie setzen, zu beschämend wäre es eine Niederlage einzugestehen. Fast noch wichtiger als finanzielle Mittel sind verlässliche Informationen und die sind kurzlebig und teuer. Mal scheint eine Einreise über die Kanaren als sicher , dann wieder gilt der Weg über die spanische Enklave Ceuta als Geheimtipp. Und selbst, wer es bis nach Europa schafft, ist keineswegs am Ziel, das Leben als illegaler Einwanderer ist ein ständiges Versteckspiel, der Aufbau einer gesicherten Existenz langwierig und mühevoll.

John Apan jedenfalls gelang es schließlich nach zwei missglückten Versuchen in Spanien Fuß zu fassen. Seine kurzzeitige Rückkehr in seine alte Heimat verdeutlicht auch die soziale, die familiäre Dimension der Migration. Wie nur, so fragt sich John, soll er seinem Sohn gegenübertreten, den er seit 14 Jahren nicht gesehen hat? Und wie soll er seiner Frau sein Leben in Europa erklären?

Fast nebenbei erläutert der Autor die politischen Geschehnisse hinter den Geschichten. Den Wandel der Einwanderungspolitik der EU, die Schengenproblematik und der Frage "Wann ist ein Migrant ein Flüchtling?"

Brinkbäumer versucht dem Leser auch die Länder, die er bereist näher zubringen, die kurzen Erläuterungen zur Geschichte und Politik der einzelnen Länder vermitteln zwar nur einen eher oberflächlichen Einblick, helfen jedoch auch dabei zu verstehen warum viele Westafrikaner Europa als Paradies ansehen.

Alles in allem ein guter Einstieg für all jene, die zwischen und hinter den (Schlag)Zeilen lesen wollen.

Buchbesprechung von Jessica Baier

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