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Titel: Schwarzbuch Markenfirmen
Die Machenschaften der Weltkonzerne
350 Seiten, Deuticke Verlag
ISBN: ,
Autor: Klaus Werner / Hans Weiss
Preis: EUR 19,90
(lt. amazon.de, Stand 05/03)
Buchbesprechung:

"Dieses Buch wird Sie wütend machen"- so im Vorwort zum ´Schwarzbuch der Markenfirmen´. Und wütend macht das Buch tatsächlich. Diese ´Hitliste des Bösen´ nennt die Verfehlungen der Weltkonzerne in verschiedensten Bereichen: ausbeuterische Arbeitsbedingung in Zuliefererbetrieben der Textil- Spielzeug- und Nahrungsmittelindustrie, die Ausbeutung von Rohstoffen in krisengebeutelten Regionen ebenso wie die Benutzung nicht informierter Patienten als Versuchskaninchen für neue Medikamente.

Viele der Vorwürfe werden dem interessierten Leser bekannt sein, im ´Schwarzbuch der Markenfirmen´ werden sie gesammelt aufgeführt. Die Autoren Klaus Werner und Hans Weiss haben die von verschiedenen Seiten ausgesprochenen Vorwürfe aufgegriffen und nachrecherchiert. Bis auf zwei eigene verdeckte Recherchen der Autoren bleibt die Beweisführung jedoch leider oft auf die Aussagen Dritter beschränkt. Die Tatsache, daß das Buch erscheinen konnte, scheint jedoch der beste Beweis für die Wahrheit der Vorwürfe.

So erinnert das ´Schwarzbuch der Markenfirmen´ z.B. an den Vorfall der Brent-Spar Ölplattform, die Shell mitsamt seiner radioaktiven Abfälle und Ölschlämme in der Nordsee versenken wollte, was jedoch durch massive Proteste verhindert wurde.
Doch Shell muß sich auch dem Vorwurf stellen, in Nigeria durch mangelnde Wartung der Pipelines und die daraus resultierenden Ölaustritte großer Landstriche zu verseuchen und unnutzbar zu machen und damit die Lebensgrundlage der Bewohner zu zerstören.
Shell selbst sieht jedoch ausschließlich Sabotagen an den Pipes als verantwortlich für die katastrophalen Öllecks, während Einwohner und verschiedene Organisationen die mangelnde Wartung der Pipelines beklagen. Situationen, die nur in diesen Ländern möglich sind.
Die Schattenseiten der Globalisierung zeigen sich auch in Form der menschenverachtenden Arbeitsbedingungen wie man sie z.B. für Zuliefererbetriebe der Disney Company in Asien finden kann. Im Firmenindex, im zweiten Teil des Buches, ist von 18 Arbeitsstunden täglich, sieben Tage die Woche, mit minimaler Entlohnung die Rede sowie von sofortiger Kündigung bei der Beteiligung an gewerkschaftlichen Aktivitäten. Oder wenn im Pflanzenbau hochgiftige Pestizide wie Nemacur in Lateinamerika noch verwendet werden dürfen, die bei uns längst verboten sind, die Weltkonzerne wie z.B. Bayer jedoch trotzdem dorthin verkaufen. Schätzungsweise zwei Millionen Menschen sterben jährlich an den Folgen von Pestiziden. Dabei sind nicht nur die Erntearbeiter direkt betroffen sondern auch die Bewohner in der Umgebung der Plantagen. Mißbildungen bei Babys gehören fast schon zum Alltag. Selbstverständlich haben die Menschen dort keinerlei soziale Sicherung. Können Arbeiter nicht mehr, werden sie durch andere ersetzt.

Erschreckend sind auch die durch die Autoren selbst durchgeführten verdeckte Recherchen: unter falscher Identität versucht Klaus Werner via Email getarn als Zwischenhändler herauszufinden, welche Konzerne hinter dem durch die Rebellen durchgeführten Abbau von Tantal, einer Metalverbindung, stecken, das für Mobiltelefone und Pentiumrechner benötigt wird. Tantal wird u.a. im Kongo, unter härtesten Arbeitsbedingungen, abgebaut und spielt im Konflikt im Kongo eine entscheidende Rolle . Obwohl die Konzerne selbst, wie z.B. die Bayer-Tochter H.C.Starck, nicht bereit sind sich zur Herkunft des von ihnen verwendeten Tantal zu äußern, erfährt der Autor schnell, daß der wertvolle Rohstoff an große Konzerne geht, die nicht nur ob des Einsatzes von Kindern beim Abbau unter strengster Bewachung durch die Rebellen keine Skrupel haben, sondern die auch bereit sind, das Material gleich zu verarbeiten, so daß es auf dem Markt nicht mehr auftaucht und die Herkunft nicht mehr zurückverfolgt werden kann. Von einem Zwischenhändler, der das begehrte Material an Weltkonzerne verkauft, erfahren wir "...wenn die (die Afrikaner) ihr Bierchen und ein bißchen Musik zum Tanzen haben, dann sind die bestens zufrieden". Ähnliche Statements die erschreckende Ignoranz zeigen, ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch.
Auf die Frage was der einzelne denn überhaupt gegen diese Mißstände tun kann und was denn überhaupt noch gekauft werden darf, die sich jeder Leser stellen muß, antworten die Autoren recht pragmatisch. Für sie ist klar, daß Boykott nicht der richtige Weg sein kann, daß er möglicherweise die Situation der Betroffenen durch Kündigung noch verschlimmert. Besser ist es nachzufragen woher Produkte stammen und gegebenenfalls zu protestieren. Hierfür liefern die Autoren im zweiten Teil des Buches nicht nur einen Firmenindex mit konkreten Verfehlungen der einzelnen Konzerne, sondern auch Kontaktadressen. Die Macht des kritischen Einkäufers ist für sie der Schlüssel zur Verbesserung der Lebenssituation vieler Menschen.

Trotzdem das ´Schwarzbuch der Markenfirmen´ neben den reinen Fakten auch Hintergrundinformationen gibt, liest es sich wie ein Krimi - einmal begonnen kann man es nicht mehr aus der Hand legen. Ein Buch das unbedingt zu empfehlen ist und jeder mündige Verbraucher gelesen haben sollte.

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