Think Shrimp! - Die ökologischen und sozialen Folgen der Krabbenproduktion

Shrimps - Delikatessen mit verheerenden FolgenSensibilisierung für die Folgen des stark gestiegenen -Konsums auf die erzeugenden Entwicklungsländer

Die in Europa gehandelten und konsumierten tropischen , häufig “Shrimps” genannt, werden vorwiegend in Südostasien und Südamerika in Farmen gezüchtet. Die ursprünglich zur Ernährungssicherung der Bevölkerung in den Entwicklungsländern gedachte und mit Entwicklungshilfegeldern forcierte Shrimpszucht stellt dort heute einen erheblichen Wirtschaftsfaktor dar. Die rasante Zunahme der Shrimpsproduktion hat allerdings oft beträchtliche negative soziale und ökologische Folgewirkungen in den betreffenden Ländern.

Immenser Ressourcenverbrauch

Für die heute übliche intensive Shrimpsproduktion in den Entwicklungsländern ist ein immenser Ressourcenverbrauch kennzeichnend. Schadstoffe und Krankheitskeime häufen sich an, welche die Wirtschaftlichkeit der Produktion gefährden. Häufig werden Zuchtbecken daher nach fünf bis sieben Jahren aufgegeben und an anderer Stelle neue angelegt.

Shrimps Farm in Honduras

Shrimps Farm in Honduras

Zurück bleiben verödete Flächen, die für eine landwirtschaftliche Nutzung nicht mehr brauchbar sind. Auf die Ernährungssicherheit wirkt sich darüber hinaus auch der enorme Verbrauch an Fischmehl und -öl negativ aus: Vier bis fünf Kilogramm davon werden für die Erzeugung eines Kilogramms Shrimps verfüttert.

Da die gezüchteten Garnelenarten Meerestiere sind, müssen große Mengen an Salzwasser in die Teiche gepumpt werden. Neben der Versalzung der Flächen kommt es häufig zur Durchsickerung des Salzwassers in das Grundwasser, mit der Folge, dass dieses dann nicht mehr als Trinkwasser oder zur Bewässerung in der Landwirtschaft genutzt werden kann. Darüber hinaus werden in den sehr dicht besetzten Zuchtbecken eine Vielzahl von Medikamenten und Desinfektionsmitteln eingesetzt, die zusammen mit den organischen Abfallstoffen aus Futterresten und Exkrementen der Tiere zu einer erheblichen Umweltbelastung führen.

Für Shrimpszucht abgeholzte Mangroven

Für Shrimpszucht abgeholzte

In einigen küstennahen Produktionsregionen hat die Ausdehnung und Intensivierung der Shrimpsproduktion zur großflächigen Abholzung von Mangrovenwäldern geführt. Die Mangroven erfüllen als artenreiches Ökosystem und Brutstätte für viele Fischarten (auch für die Wildbestände der Garnelen) sehr wichtige ökologische Funktionen. Neben den ökologischen Schäden ist hier auch der Verlust von Einkommensquellen für die ländliche Bevölkerung zu beklagen, die in den Mangrovengebieten z.B. ihre traditionellen Fischgründe besitzt. Eine ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen ist für das langfristige Wohlergehen der armen Bevölkerung in den Küstenregionen aber von existentieller Bedeutung.

Fischer und Bauern wehren sich

Umwelt- und entwicklungspolitisch arbeitende Nicht-Regierungsorganisationen aus diesen Ländern griffen die Forderungen, der durch intensive Shrimpszucht Geschädigten, zur Sicherung ihrer Lebensgrundlage auf. Sie halfen mit, diese national bis auf die obersten politischen und juristischen Ebenen zu bringen, ohne allerdings bisher Verbesserungen für die Menschen oder die Natur erwirkt zu haben.

Die Verbraucher sind gefordert

Der Endverbraucher in Europa verbindet mit dem hochpreisigen Nahrungsmittel Wohlstand, Luxus und Exotik. So werden Shrimps oft in guter bis gehobener Gastronomie oder in der Erlebnis-Gastronomie angeboten. Inzwischen sind sie zwar auch in den Kühlregalen vieler Supermärkte zu finden, aber auf Grund ihres vergleichsweise hohen Preises werden sie auch dort eher für besondere Anlässe gekauft. In jüngster Zeit sind aber auch deutliche Bemühungen erkennbar, die Zielgruppe für Shrimps auszuweiten.

Die wenigsten Endverbraucher wie auch Entscheider in Gastronomie und Handel sind sich der gravierenden Diskrepanz von Produkt-Image hier in Europa und Wirklichkeit der industriellen Shrimpsproduktion in den Entwicklungsländern bewußt. Sie vermuten bei Shrimps sogar eher ein gesundes und unter ökologischen und sozialen Aspekten neutrales oder gar positives Nahrungsmittel, das direkt aus dem Meer kommt.

EarthLink informiert Entscheider

Gemeinsam mit Partnern aus dem europäischen NRO-Netzwerk “Forest Movement Europe” initiierte EarthLink eine europaweite Infokampagne über die ökologischen und sozialen Folgen der Krabbenzucht. Mit der Kampagne “ThinkShrimp!” leisteten wir in Deutschland einen Beitrag zur ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltigen Nutzung tropischer Küstenregionen. Zielgruppe waren neben Endverbrauchern vor allem auch “Entscheider” (Geschäftsführung, Einkäufer, Küchenchefs) in Gastronomie und Handel.

Verbraucher wurden für die entwicklungs- und umweltpolitische Dimension des Konsums von Shrimps aus Zuchtfarmen sensibilisiert, denn nur so kann er die umwelt- und entwicklungspolitische Relevanz seiner Kaufentscheidung verantwortlich treffen und damit zu einer ausgewogeneren Nord-Süd-Beziehung beitragen. Wir verfolgten ganz bewusst eine Kommunikationsstrategie, die erklärend und motivierend für selbstbestimmte Verhaltensänderungen ist und verzichteten darauf, konfrontativ oder moralisierend zu sein.

Zum Auftakt der Informationskampagne wurde eine Rundreise in Deutschland mit unseren Partnern aus Ecuador und Indien durchgeführt und dadurch die Öffentlichkeit, NROs sowie Institutionen aus EZ und Umwelt mit dem Thema “Shrimps-Zucht” bekannt gemacht. Unsere NRO-Partner aus den Entwicklungsländern wurde so ein direkter Kontakt zu den Konsumenten der Produkte ihrer Länder geboten. Vorbereitet und begleitet wurden diese Veranstaltungen durch intensive Öffentlichkeitsarbeit, eine themenspezifische Website und gedruckte Infomaterial.