Anhaltender bewaffneter Konflikt vertreibt Awá aus ihrer Heimat

Der anhaltende bewaffnete zwischen der kolumbianischen Armee und den Rebellen der FARC zwingt die Gemeinschaft der Awá, sich nach und nach aus ihrer Heimat zurückzuziehen.

In den vergangenen Wochen stieß die kolumbianische Armee auf der Suche nach Mitgliedern der FARC-Rebellen immer mehr in das Rückzugsgebiet der Awá-Indianer vor. Betroffen waren die Schutzgebiete Gran Sábalo, Kuambi, Yaslambi und Pingullo Sardinero. Die Regionen befinden sich im Grenzgebiet zu und bilden schon seit Längerem die letzten Zufluchtsorte für die FARC-Rebellen, die über die Jahre von der kolumbianischen Armee an die Randgebiete Kolumbiens zurückgedrängt wurden.

Diese Vorstöße sind aus zweierlei Gründen problematisch für die Awá: Sie müssen um Leib und Leben fürchten, denn den beiden Konfliktparteien ist es egal, wenn Indianer zufällig in die Schusslinie geraten. Und sie können ihre Grundversorgung nicht mehr gewährleisten, denn der beraubt die Awá der Möglichkeit, auf ihrem Territorium Jagd und Fischfang zu betreiben oder Brotfrüchte zu sammeln.

Die Awá fühlen sich von der kolumbianischen Regierung im Stich gelassen, denn einst wurden ihnen die Rückzugsgebiete zugesichert und versprochen, dass sie in diesen Gebieten in Frieden und Autonomie leben dürfen.

Die kolumbianische Regierung steht hier vor einem schwierigen Interessenskonflikt. Die FARC hält bereits seit den 1960er Jahren in Atem und hat seitdem viele – auch arme Menschen – das Leben gekostet und weiteres Leid und Elend verursacht.1 Die kolumbianische Bevölkerung dürstet es nach Frieden und sie fordert die Regierung zum Handeln auf. Die Wünsche und Bedürfnisse einer kleinen Gruppe Indianer scheinen für einige Bürger Kolumbiens vergleichsweise gering und zu unwichtig, als dass sie den Sieg über die FARC in Gefahr bringen dürfen.

Es besteht derzeit jedoch berechtigte Hoffnung auf eine Ende des Konflikts. Seit Oktober letzten Jahres führen kolumbianische Regierung und FARC Friedensverhandlungen. Nun hat die FARC bereits angekündigt, sie würde den bewaffneten aufgeben und sich wieder als politische Partei formieren. (earthlink berichtete) Dies muss von der kolumbianischen Regierung erst anerkannt werden und wird wohl noch eine Weile dauern.

Gleichzeitig ist aber auch Skepsis geboten, denn das Versprechen wieder politisch aktiv zu werden, wirkt von Seiten der FARC etwas unglaubwürdig und könnte der Tatsache geschuldet sein, dass der bewaffnete Kampf gegen die kolumbianische Armee langsam aber sicher verloren geht. Die FARC agiert schon lange nicht mehr politisch und betreibt Drogen- und Menschenhandel im Stile einer reinen Verbrecherorganisation, nämlich aus Profitgier.2

Eines ist jedoch sicher: Ohne ein Ende des bewaffneten Konflikts zwischen der FARC und der kolumbianischen Regierung wird es auch keinen Frieden für die Awá-Indianer geben.

  1. Wikipedia zur FARC []
  2. Friesendorf, Cornelius: Drogen, Krieg und Drogenkrieg []

Über christian / earthlink

Projektmitarbeiter, zuständig für die Entwicklung und Durchführung von Projekten bzw. Kampagnen, Fundraising, Einarbeitung und Betreuung von Praktikanten und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Aktuelle Projekte: Aktiv gegen Kinderarbeit, Drogen Macht Welt Schmerz, Fluchtgrund
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