Ausstellung “Sichtwechsel: Stadtbilder aus Afrika” in Heidelberg

Bild: © Lena Reschke -

Armut, Aids, Lehmhütten, Safari oder Bürgerkrieg – diese Bilder dominieren die westlichen Medien bei der Berichterstattung über Afrika. Oftmals entsteht der Eindruck, dass Afrika gar kein Kontinent sei, sondern ein einziges Land. Doch die Wirtschaft boomt in vielen Ländern und es gibt pulsierende Großstädte. „Unsere Motivation war es mit Hilfe der Ausstellung Vorurteile abzubauen und einen anderen Blickwinkel auf afrikanische Millionenstädte zu ermöglichen.“, sagte Lisa Ziegler, eine der Projektkoordinatorinnen. Organisiert wurde das Ganze von der WinD-Gruppe Mannheim/Heidelberg, einer Gemeinschaft von jungen Menschen aus der Rhein-Neckar-Region, die selbst ein Jahr in einem Land des Globalen Südens gelebt und gearbeitet hatten. Die Erfahrungen aus ihrem „weltwärts“-Freiwilligendienst haben sie so geprägt, dass sie diese gerne in Deutschland weitergeben würden. Dabei war ihnen wichtig, nicht ihre Fotos und Geschichten zu erzählen, sondern die der lokalen Bevölkerung. Stadtbewohner und Stadtbewohnerinnen sollten die Möglichkeit bekommen mit ihren eigenen Bildern vom urbanen Leben zu erzählen. Deswegen haben sie eine Ausschreibung gestartet und Institutionen wie lokale Zeitungen, Stadtverwaltungen oder Künstlervereine angeschrieben. Die Resonanz war groß und es kamen 257 Einsendungen. Darunter größtenteils Fotos, aber auch Gemälde und eine Kurzgeschichte. Die Themen reichen von Bau und Verkehr über Lebensverhältnisse bis hin zu Mode und Kultur.

In die Ausstellung geschafft haben es die Lagosdrei Städte Addis Abeba (Äthiopien), Kigali (Ruanda) und Lagos (Nigeria). Aus Gaborone (Botswana) und Kinshasa (Demokratische Republik Kongo) war die Rückmeldung zu gering, um ein aussagekräftiges Bild vom Leben in diesen Städten darzustellen. Doch alle Fotos, die nicht an den Wänden hängen, wurden in Fotobüchern abgedruckt und sind somit dem Besucher ebenfalls zugänglich.

Bei Betreten der Ausstellung, wird man sogleich in den Bann der Straßengeräusche Addis Abebas gezogen. Ganz viele Hupen und Menschenstimmen tönen aus den Lautsprechern. Addis Abeba zählt seit den 1950er Jahren inoffiziell als Hauptstadt Afrikas und wurde nicht zuletzt deswegen 1958 Sitz der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Afrika und 1963 Sitz der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU, seit 2002 Afrikanische Union, AU). Im Raum nebenan wird Kigali, eine der saubersten Städte des afrikanischen Kontinents, vorgestellt. Seitdem sie 2006 in ihrem Land Plastiktüten verboten haben und nur noch Papiertüten oder Baumwolltaschen verwenden, nehmen sie in diesem Punkt eine weltweite Vorreiterrolle ein. Einmal im Monat ist die ruandische Bevölkerung aufgerufen am sogenannten „Umuganda Day“ in Gemeinschaftsarbeit für Sauberkeit zu sorgen. Gemeinsam werden Straßen ausgebessert, Wasserkanäle gereinigt oder neue Bäume gepflanzt. In der Lagos-Abteilung begrüßt einen nigerianische Popmusik, die nicht nur innerhalb des Landes bekannt ist, sondern auf dem ganzen Kontinent an Beliebtheit gewinnt. Neben Musik spielt das Kino eine wahnsinnig wichtige Rolle. Wussten Sie beispielsweise das Nollywood die zweitgrößte Filmindustrie der Welt ist? Mit wöchentlich 40 veröffentlichten Filmen, übertrumpfen sie Hollywood und müssen sich nur Bollywood unterordnen.

Addis Abeba„Die Ausstellung „Sichtwechsel“ will uns einen neuen, frischen Blick auf Afrika ermöglichen. Sie kann beitragen, die Bilder in unserem Kopf langsam zu verändern.“, sagte der ehemalige Bundespräsidenten Horst Köhler.

Nachdem die Ausstellung in Heidelberg heute endet, soll das Projekt nicht im Sand verlaufen, sondern als Wanderausstellung weitergeführt werden. Für weitere Infos können Sie sich auf der Kampagnen-Webseite umsehen: www.sichtwechsel-ausstellung.de oder die Organisatoren direkt anschreiben: wind.mannheim-heidelberg@posteo.de

Über lena / earthlink

Hey, ich bin die Lena und studiere International Business in Nürnberg. Ich interessiere mich schon lange für Entwicklungspolitik und wollte nun mal in die Arbeit einer kleinen NGO hineinschnuppern. Deswegen mache ich ein 8-wöchiges Praktikum bei Earthlink e.V.
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