Reiche stoßen erheblich mehr CO2 aus als Arme

CO2 Ausstoß

Bild: © Paul Falardeau [CC BY-ND 2.0] - Flickr

Das reichste 1 Prozent der Weltbevölkerung hat zwischen 1990 und 2015 doppelt so viel CO2 ausgestoßen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen. Während also etwa 63 Millionen Menschen, die das reichste 1 Prozent ausmachen, für etwa 15 Prozent des weltweiten Schadstoffausstoßes zwischen 1990 und 2015 verantwortlich sind, hat die ärmere Hälfte der Menschheit in diesem Zeitraum nur etwa 7 Prozent des weltweiten Schadstoffausstoßes verursacht. Rund die Hälfte der weltweiten C02-Emissionen in der untersuchten Periode gehen auf das Verhalten und die Lebensart der reichsten 10 Prozent der Menschheit zurück. Sie tragen damit übermäßig zum Klimawandel bei.1234

Das geht aus dem neuen Oxfam-Bericht „Confronting Carbon Inequality“ hervor, der auf Forschungsarbeiten des Stockholm Environment Institute basiert und den CO2– Ausstoß verschiedener Einkommensgruppen in 117 Ländern zwischen 1990 und 2015 analysiert. Im untersuchten Zeitraum sind die jährlichen Emissionen um rund 60 Prozent gestiegen. Für diesen rasanten Anstieg waren die reichsten 5 Prozent der Weltbevölkerung zu mehr als einem Drittel verantwortlich. Der Gesamtanstieg des reichsten 1 Prozent jedoch war etwa dreimal so hoch wie der der ärmeren Bevölkerungshälfte.1234

Der Bericht macht demnach deutlich, dass vor allem der Schadstoffausstoß der Wohlhabenden drastisch reduziert werden muss, um die Erderwärmung auf das Ziel von 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Um das zu erreichen, darf das sogenannte globale Emissionsbudget nicht überschritten werden, also die Menge an CO2, welche noch ausgestoßen werden kann, ohne das 1,5-Grad-Ziel zu gefährden. Dieses Ziel hat sich die internationale Staatengemeinschaft im Pariser Abkommen gesetzt, um die schlimmsten Auswirkungen eines unkontrollierten Klimawandels zu verhindern und die Folgen der Erderwärmung abzuschwächen. Von dem globalen CO2-Budget, das nach 1990 noch verfügbar war, haben die reichsten 10 Prozent etwa ein Drittel verbraucht, die ärmere Hälfte der Menschheit jedoch nur etwa 4 Prozent.1234

Die Forschung basiert auf Schätzungen der national ausgestoßenen Emissionen durch fossile Brennstoffe. Darin sind sowohl der CO2-Ausstoß enthalten, der innerhalb eines Landes verursacht wird, als auch solche Emissionen, die in Importen enthalten sind. Emissionen, die in Exporten enthalten sind, werden nicht berücksichtigt. Anschließend wurden diese national verbrauchten Mengen an CO2 in Bezug auf die unterschiedlichen Einkommensgruppen aufgeschlüsselt und später in eine globale Verteilung nach Einkommen sortiert.1234

Schon heute sind die katastrophalen Ausmaße, welche die Folgen des Klimawandels annehmen können, in vielen Ländern der Erde zu spüren. Nicht nur hat sich die Zahl der auftretenden Stürme, Überflutungen und anderer Naturkatastrophen deutlich erhöht. Auch Wasserknappheit, Dürre, ein steigender Meeresspiegel und Ernährungsunsicherheit stellen in immer mehr Ländern bereits heute ein großes Problem dar. Solche Auswirkungen der Klimakrise bedrohen die Existenz und den Lebensraum vieler Menschen. Die diesjährige Heuschreckenplage, welche die Ernte in vielen afrikanischen Ländern zunichte gemacht und somit vielerorts eine Hungersnot verursacht hat, ist nur ein aktuelles Beispiel,  ebenso wie die unvergleichlichen Hitzewellen, die Australien und die USA heimgesucht und Waldbrände in ungekanntem Ausmaß ausgelöst haben. Wie auch eine aktuelle Studie des Institute for Economics and Peace (IEP) zeigt, sind es vor allem die ärmsten Länder und Menschen, die am härtesten unter den Folgen des Klimawandels zu leiden haben. Und das, obwohl sie im globalen Vergleich am wenigsten zur Schädigung des Klimas beitragen.1345

Die Ungleichheit des Kohlenstoffdioxidausstoßes zwischen den verschiedenen Einkommensgruppen ist laut des Berichts so groß, dass die reichsten 10 Prozent der Weltbevölkerung das verfügbare Emissionsbudget bis 2033 sprengen würden, selbst wenn alle anderen Emissionen auf Null reduziert würden. Nach wie vor wird eine Politik betrieben, die Anreize für mehr Konsum gibt und auf immerwährendes Wachstum setzt. Für die Folgen des Konsums einer wohlhabenden Minderheit bezahlt also die ärmere Hälfte der Menschheit einen hohen Preis. Um sowohl gegen diese Ungleichheit als auch gegen die Klimakrise nachhaltig vorzugehen, liegt es an den Regierungen, den übermäßigen Schadstoffemissionen der Reichsten mittels Besteuerung und Verboten entgegenzuwirken. Der Hauptbereich, in dem solche Maßnahmen ergriffen werden sollten, liegt wohl im Verkehrssektor. Denn dieser ist heute für rund ein Viertel des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich. Besonders große Geländewagen und SUVs tragen viel zu den Emissionen in diesem Bereich bei.  Gleichzeitig sollten ärmere Gemeinschaften nicht vergessen, sondern gezielt gefördert werden, um auch hier den allgemeinen Schadstoffausstoß zu verringern.1234

Nach Schätzungen, die im Bericht “Confronting Carbon Unequality” geäußert werden, müssten die durchschnittlichen Pro-Kopf-Emissionen der reichsten 10 Prozent bis 2030 auf rund ein Zehntel gesenkt werden. Die globalen jährlichen Schadstoffemissionen würden so um etwa ein Drittel reduziert werden. Nur auf diese Weise könne die Erderwärmung unter den angestrebten 1,5 Grad Celsius gehalten werden. Würde eine Kürzung der Pro-Kopf-Emissionen der reichsten 10 Prozent nur auf den EU-Durchschnitt erreicht werden, so würde dies schon eine Senkung des jährlichen globalen CO2-Ausstoßes um ein Viertel bedeuten.1234

Damit eine solche Veränderung bewirkt werden kann, muss schleunigst ein Umdenken erfolgen. Denn obwohl das Bewusstsein für den Klimawandel und dessen Ursachen heute so präsent scheinen wie noch nie, hat sich das Konsumverhalten vieler Menschen kaum verändert. Wenn der Klimawandel also effektiv abgeschwächt werden soll, so trägt vor allem der wohlhabende Teil der Menschheit eine große Verantwortung für die Zukunft der Erde und ihrer Bewohner.

  1. Oxfam: Confronting Carbon Inequality; Putting climate justice at the heart of the COVID-19 recovery; Bericht vom 21.09.2020 [] [] [] [] [] [] []
  2. Stockholm Environment Institute: Joint Research Report; The Carbon Inequality Era; Forschungsbericht September 2020 [] [] [] [] [] []
  3. Oxfam International: Carbon emissions of richest 1 percent more than double the emissions of the poorest half of humanity; Pressemitteilung vom 21.09.2020 [] [] [] [] [] [] []
  4. Oxfam Deutschland: Das reichste 1 Prozent schädigt das Klima doppelt so stark wie die ärmere Hälfte der Welt; Pressemitteilung vom 21.09.2020 [] [] [] [] [] [] []
  5. Institute for Economics and Peace IEP: Ecological Threat Register 2020; Understanding Ecological Threats, Resilience and Peace; Bericht September 2020 []

Über Celina / earthlink

Hi, mein Name ist Celina, ich bin 21 Jahre alt und mache für drei Monate ein Praktikum bei earthlink. Ansonsten studiere ich Politikwissenschaft mit Nebenfach Rechtswissenschaft an der LMU München. Dabei beschäftige ich mich vor allem mit Internationalen Beziehungen, dem Europarecht und dem Völkerrecht.
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